Upcycling statt Abfall

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212 Kilogramm Verpackungsmüll. So viel produziert jeder Mensch allein in Deutschland pro Jahr. Was wir entsorgen, verrottet auf Mülldeponien, landet in Müllverbrennungsanlagen, wird recycelt. Dass man schon mal den Coffee to go im Porzellanbecher mitnehmen kann, um die eigenen Abfallberge etwas kleiner zu halten, ist für die meisten wahrscheinlich auch keine sensationell neue Erkenntnis – wie man einfache Haushaltsgegenstände aufwerten und wiederverwerten kann, vielleicht schon eher.

“Bis vor zwei Jahren habe ich mir zu Upcycling keine großen Gedanken gemacht – ich bin mir ehrlich gesagt nicht einmal sicher, ob ich mit dem Begriff etwas hätte anfangen können”, sagt Sarah Rüller, Projektkoordinatorin im DAAD-geförderten Austauschprogramm YALLAH an der Universität Siegen. “Ich habe zwar darauf geachtet, nicht sonderlich viel Müll zu produzieren und zum Beispiel Plastiktüten einfach wiederzuverwenden. Heute habe ich einen anderen Blick auf die Sache. Es kann unglaublich viel Spaß machen sich, einfach mal hinzusetzen und zu überlegen, was man mit dem ganzen Kram so anstellen kann. Und es dann natürlich einfach ausprobieren.”

Inspirationen gab es beim Upcycling-Workshop auf der diesjährigen Berliner re:publica, den Sarah und ihr Kollege Marios Mouratidis gegeben haben. Mit ihren Teilnehmern haben sie alte, kleine und eher instabile Plastikfolien und -tüten gebügelt, um daraus stabilere Dinge zu machen. So sind Taschen, Geldbeutel, Untersetzer entstanden. Müll auch als potenzielle Ressource wahrzunehmen, darum ging es: “Im Grunde wollten wir aufzeigen, wie man mit wenig Aufwand und Dingen, die man vermutlich eh im Haushalt hat, seine Müllproduktion reduzieren und im selben Schritt etwas Persönliches nach eigenen Wünschen gestalten kann”, erklärt Sarah.

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“Falls ihr Dinge habt, die ihr nicht wegwerfen wollt aber euch einfach die Kreativität fehlt: Probiert einfach etwas aus oder schaut mal online, was andere Leute so machen.” Zum Beispiel auf upcyclethat.

Beim YALLAH Project, einem Austauschprogramm zwischen der Universität Siegen und der Birzeit University, geht es aber nicht nur darum, unsere Abfallproduktion zu reduzieren. YALLAH steht für “You All Are Hackers” und macht sich dafür stark, auch in Palästina durch kreative Designideen das Konsumverhalten und die Bedürfnisse der Umwelt in Einklang zu bringen. Die Teilnehmer aus Siegen und Ramallah erarbeiten gemeinsam verschiedene Projekte zum Thema Soziale Innovation: Urban Gardening im Flüchtlingslager, Guerilla Kampagnen für Special Needs oder Plastikreduktion durch essbares Besteck.

Beim ersten Austausch im Jahr 2016, an dem auch Sarah teilgenommen hatte, entstand zudem eine Zusammenarbeit mit dem deutsch-französischen Kulturzentrum in Ramallah. Für eine Ausstellung zum Thema „Garbage Environment Design“ haben Studenten “Artefakte” aus Müll gebaut, beispielsweise ein Sofa aus mehr als 1000 Flyern. In Palästina wurde dazu ein kurzer Film gedreht.

Wie Sarah die Zusammenarbeit mit ihren palästinensischen Kollegen empfindet? “Bisher habe ich nirgends sonst so offene und herzliche Menschen kennengelernt. Diese gesamte ‘Oh, du bist aus Deutschland? Komm rein und trink eine Tasse Tee mit mir’-Kultur hat mich schlichtweg umgehauen. Am Anfang musste ich mich sehr an die ‘arabische Pünktlichkeit’ gewöhnen, aber jetzt muss ich zugeben, dass man dadurch stressfreier und trotzdem effizient arbeiten kann.”

Hier findet ihr weitere Infos zu Upcycling-Workshop und –Vortrag bei der re:publica 2017.

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  1. Pingback: » Upcycling@Come_In – Workshop auf der re:publica 2017 16. Mai 2017

    […] Hier findet ihr weitere Infos zu Upcycling-Workshop und –Vortrag bei der re:publica 2017 sowie einem ausführlichen Artikel zu Upcycling statt Abfall. […]

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