Unmögliches Museum

Ist das Kunst oder kann das weg? Streetart nimmt öffentliche Räume für sich ein und ist oft schnell wieder Vergangenheit, weil sie von der Stadtreinigung übertüncht oder weggeräumt wird. Doch was früher als Vandalismus verpönt war, ist heute in der internationalen Kunstszene angekommen. Diesen September wurde in Berlin mit dem Urban Nation Museum of Contemporary Art das weltweit erste Museum für Street- und Urban Art unter der Direktion von Yasha Young eröffnet.

Innerhalb von mehreren Jahren wurde dazu ganz gezielt ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus in der Schöneberger Bülowstraße umgebaut. So wurden beispielsweise Zwischendecken eingezogen, um besonders großen Murals genügend Platz zu bieten. Auch die Fassade selbst dient mit mobilen Elementen als Ausstellungsstück und wird in regelmäßigen Abständen neu bemalt.

(c) Sabine Dobre, Urban Nation Museum

Dass der Begriff Streetart weit hinausgeht über Graffiti, beweisen die Künstler, die im Urban Nation Museum in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden: nationale Größen wie Moses & Taps oder Mia Florentine Weiss, aber auch international bekannte Künstler wie Banksy, Olek und Shepard Fairey. Dieser wurde vor allem durch sein “Hope”-Plakat für Obama berühmt, während die Polin Olek gehäkelte Guerilla-Kunst macht. Moses & Taps haben 2015 in Hamburg für Aufsehen gesorgt, wo sie im April die Tür einer S-Bahn zugemauert haben. Mia Florentine Weiss agiert mit ihren Lichtinstallationen im Spannungsfeld zwischen Objektkunst, Multimedia und Grafik.

Momentan beherbergt das Urban Nation Museum zudem die Martha Cooper Library. Seit mehr als 40 Jahren dokumentiert die New Yorkerin den Aufstieg von Streetart und Graffiti, die Entwicklung von einer Underground-Subkultur zu einer weltweit anerkannten Kunstform hat sie in Fotografien festgehalten. Ihre Sammlung stellt sie dem Urban Nation Museum zur Verfügung, sie wird dort auch zu Forschungszwecken genutzt.  

(c) Sabine Dobre, Urban Nation Museum

Kann das eigentlich funktionieren, dieses unmögliche Museum, wo die oft zeitkritische Streetart doch die Straße, das Draußensein schon im Namen trägt? Die Hardliner sind dagegen, dass diese rebellische Kunstform in einer institutionellen Einrichtung wie einem Museum “gezähmt” wird. Und die Vandalismus-Fraktion findet ohnehin, dass es sich dabei mitnichten um etwas handelt, das länger als bis zum nächsten Stadtreinigungstermin haltbar gemacht werden sollte. Die Macher von Urban Nation, hinter der die Stiftung Berliner Leben steht, sehen sich dagegen als Visionäre einer weltweiten Urban Art-Community und haben sich zum Ziel gesetzt, Berliner über Kunst im Außenraum und integrierende Nachbarschaftsprojekte zusammenzubringen. Ein bisschen recht haben sie vielleicht alle.

Übrigens hat allein die BVG 2016 eine Million Euro ausgegeben, um mit Graffiti verzierte Fahrzeuge zu säubern. Im Urban Nation Museum findet Streetart jetzt ein dauerhaftes Zuhause.

(c) Sabine Dobre, Urban Nation Museum

Urban Nation Museum of Contemporary Art
Bülowstraße 7, 10783 Berlin
Eintritt frei
Öffnungszeiten: Di-So, 10-18 Uhr

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