Sustainability mit Stil

Rohstoffe wiederverwenden, Abfall vermeiden. Dahinter steckt keine Utopie, sondern ein wirtschaftlicher und rationaler Gedanke. Optimalerweise werden in der “Circular Economy” Rohstoffe möglichst abfall- und emissionsfrei wiederverwertet. Wie das genau funktioniert und warum man “kein Hippie, der in einer Jurte lebt, oder ein Akademiker oder Techie sein muss”, um mitzumachen, erklären die Berliner Bloggerinnen Claudi von GreenMe Berlin und Arianna von Green Fashion Tours.

Könnt ihr uns das Prinzip der Circular Economy kurz erklären?
Ari: Circular Economy oder Kreislaufwirtschaft bedeutet, in geschlossenen Kreisläufen zu denken, zu designen und zu produzieren. Das Prinzip besteht darin, dass bei jeder Art der Produktion keine Ressourcen verschwendet werden und kein Abfall generiert wird. Zirkuläre Materialien können wieder in technische oder biologische Kreisläufe eingeführt und recycelt werden.

Claudi: Einige kennen sicher den Slogan “Reuse, Reduce, Recycle”. Es geht um ein großes Umdenken in der Weltwirtschaft. Die funktioniert bisher linear, das heißt, wir entnehmen der Erde Ressourcen, produzieren daraus eine Unmenge an Produkten, die wir dann irgendwann wegschmeißen. Circular Economy bietet die Möglichkeit, das zu stoppen und Produkte so zu designen, dass ein Kreislauf entsteht, in dem alles immer wiederkehrt. Eine Vordenkerin auf dem Gebiet ist Ellen MacArthur, von der es auch einen guten TED Talk zum Thema gibt.

Bei „Loveco“, einem Stopp der letzten Tour, gibt es vegane Kleidung und Fair Trade Mode

Wie funktioniert das in unterschiedlichen Bereichen?
A: Das Prinzip, Materialien und Produkte länger im Kreislauf zu behalten, kann in allen Bereichen angewendet werden. Von der globalen Textilindustrie, in der für jedes Produkt – von den Fasern bis zum fertigen Kleidungsstück – circa 20% Abfall generiert wird, bis zur Food-Industry, in der die Menge an Abfall manchmal bis zu 50% steigt.

Strategien, das Circular Economy-Prinzip umzusetzen, gibt es viele. Zum Beispiel Produktdesign aus wiederverwerteten Rohstoffen wie Papier, Glas oder gar altem Kaffeesatz. Oder Upcycling Fashion, wo Textilien aus Nebenprodukten der Food-Industry hergestellt werden, wie Fasern aus Orangenschalen oder Leder aus Ananasresten.

Jetzt habt ihr in Berlin die Circular Economy Touren gestartet, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen. Wie gestaltet ihr das Programm für die Touren?
A: Die Circular Economy Touren basieren immer auf neuen Routen. Gemeinsam entdecken wir die verschiedenen Kieze und Bezirke Berlins und besuchen die lokalen Circular Economy Projekte. Weil wir zusammen ein großes Netzwerk an grünen Projekten und Background-Wissen aus allen möglichen Bereichen haben, können wir die Route ganz vielfältig gestalten. Wir wollten einen Rundumschlag liefern. Ich kenne mich im Bereich Fashion & Design am besten aus und Claudi im Bereich Food & Mobilität. So können wir jedes Mal mehrere Bereiche abdecken und den Teilnehmern ein vollständiges Bild vom Circular Economy Konzept vermitteln.

C: Jede Tour endet mit einem gemeinsamen Dinner, das natürlich auch einen Bereich der Circular Economy abdeckt. Während unserer ersten Tour waren wir zum Beispiel in einem großen Permakulturgarten, der sich in einem Neuköllner Hinterhof versteckt. Dazu gehört ein Restaurant, in dem die selbst gezüchteten Kräuter und Gemüse verarbeitet werden.

Im „himmelbeet“, dem interkulturellen Gemeinschaftsgarten in Wedding

Und wen nehmt ihr da so mit?
C: Jeden, der Lust hat, aktiv (und dennoch ohne Aktivismus) die Welt zu verändern! Auf den ersten zwei Touren hatten wir Menschen aus den verschiedensten Backgrounds dabei: Expats, Berliner und Reisende, von 22 bis 65, aus Israel, den USA, Russland, Taiwan, Brasilien und mehr. Einige sind schon im Bereich Nachhaltigkeit tätig, aber die meisten sind einfach offen für alternative, nachhaltigere Lebenskonzepte und neugierig, wie eine abfallfreie Zukunft funktionieren kann. Oder sie wollen die Stadt mal von einer ganz neuen, kreativen Seite entdecken. Und selbst die Berliner waren jedes Mal überrascht, was es für spannende Projekte und Menschen gibt, die sich im Bereich Zero Waste und Circular Economy stark machen.

Was letztendlich alle vereint, ist die Suche nach gleichgesinnten, positiven Menschen, die Lust haben, gemeinsam etwas zu verändern und daran glauben, dass ein Wandel möglich ist. Deshalb ist das Dinner am Ende mehr als nur ein gemeinsames Essen. Es ist ein unheimlich toller Austausch und es entstehen echte Verbindungen und vielleicht sogar neue Freundschaften.

Was sind eure Tipps, wie man jeden Tag ein bisschen nachhaltiger leben kann? Sozusagen „Circular im Alltag“?
A: Viele Menschen glauben ja immer, dass Nachhaltigkeit teuer sein muss. Aber wenn man Müll vermeidet, spart man auch richtig viel Geld! Coffee-to-go Becher kann man ganz easy vermeiden, indem man einen eigenen Becher nutzt. Inzwischen gibt es hier in Berlin auch das Pfandsystem “Recup” – man zahlt einen Pfand auf den Becher und gibt ihn beim nächsten Mal einfach wieder in einem der teilnehmenden Cafés zurück. Aber es macht auch Spaß und fühlt sich gut an.

Windel-Recycling mit „Dycle“

Generell sollten wir versuchen, alles was aus Plastik ist zu vermeiden. Plastiktüten, Verpackungen, aber auch Strohhalme: Einfach nein sagen! Original Unverpackt ist bei den Supermärkten der absolute Vorreiter und verzichtet komplett auf Verpackungen. Speziell für Frauen produziert das Social Startup Ruby Cup auch wiederverwendbare “Menstruations Cups”.

Im Bezug auf Kleidung sollte man die Sachen, die man nicht mehr haben möchte, immer an Freunde oder Nachbarn weitergeben oder auf dem Flohmarkt verkaufen, bevor man sie zum Kleidercontainer bringt. Hier in Berlin gibt es auch oft Kleidertauschpartys.

C: Beim Thema Essen kann man auch unheimlich viel tun. Auf Märkten ist es zum Beispiel immer gut, sogenannte “Ugly Foods” zu kaufen. Denn die Supermärkte nehmen oft keine “krummen” Gemüse an. In Charlottenburg gibt es jetzt auch einen ganz neuen Supermarkt, der nur gerettete Lebensmittel verkauft: SirPlus. Mit der App ResQ kann man außerdem selbst zum Essensretter werden, denn darin können Gastronomen ihre übrig gebliebenen Portionen für kleines Geld anbieten. Fermentation ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, Lebensmittel länger haltbar zu machen – und sich und seiner Gesundheit etwas richtig Gutes tun. Wir freuen uns schon riesig, auf der anstehenden Tour am 21. September mehr darüber zu lernen.

„Wertvoll“ bietet Fairtrade Öko-Mode & Accessoires aus Berlin

Zur nächsten Tour durch “Kreuzkölln” am 21.09. könnt ihr euch hier anmelden.

Tickets gibt es für ungefähr 40 Euro. Die Tour mit anschließendem Dinner startet um 17:30 und dauert bis 21:30.

No comments yet.

Leave Your Reply



ÜBER C-HR BERLIN

C-HR Berlin ist das neue Festival für Kreativität, Innovation und Nachhaltigkeit. Es stellt Menschen in den Mittelpunkt, die es wagen, von Grund auf anders zu denken und globale Spielregeln neu zu definieren. Das Festival zeigt kreative und innovative Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit und präsentiert die Köpfe dahinter.

Follow the Festival

Letzte Tweets

Vielen Dank, stay tuned und bleibt neugierig! Registriert Euch jetzt kostenfrei auf https://t.co/oPO7RYJiPC für all… https://t.co/6eqrdvpoFg
It's a wrap! Dieser kleine Film ist für Euch, liebe Teilnehmer des ersten C-HR Festivals. https://t.co/2mBTUlfNbI
Dear Kaufhaus Jandorf. Thanks for having us. It was a pleasure. #chrfestival @ Kaufhaus Jandorf https://t.co/ID6iMdCENp