Schrank voll und gutes Gewissen

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(c) Denys Karlinskyy: Thekla Wilkening und Pola Fendel

Die Kleiderei geht so: Monatlich lassen sich die Kundinnen (das Angebot gibt es derzeit nur für Frauen) in einem Abo für 39 Euro vier Teile schicken, behalten diese für vier Wochen oder länger und erhalten nach Rückgabe neue Einzelstücke. Thekla und Pola kuratieren jedes Paket persönlich, das heißt, sie wählen je nach Stil und Vorlieben der jeweiligen Kundin die Kleidungsstücke mit ganz viel Liebe aus. Stilberatung und Überraschungspaket zugleich.

Pola, in der Fernseh-Show “Die Höhle der Löwen” wurde euch davon abgeraten, euch mit der Kleiderei selbstständig zu machen. Ihr habt euch aber trotzdem getraut. Wie habt ihr das Gründen erlebt?
Euphorisch, aufgeregt, gelegentliche “Ahhhhhh” Momente. Natürlich hatten wir zwischendurch auch Angst-Momente oder Zweifel, aber einfach machen wirkt Wunder.

Würdet ihr anderen Frauen raten, zu gründen? Warum?
Unbedingt! Traut euch! Es gibt nichts Gutes, außer man tut es, sagen wir immer so schön. Gründen heißt sich selber zu empowern, sich eine eigene Wirklichkeit und einen Handlungsrahmen zu bauen. Klar sollte die Idee Hand und Fuß haben und das Risiko immer im Auge behalten werden, aber wenn das gegeben ist: Einfach machen! Selbst wenn man scheitert, lernt man so unbezahlbar viel.

Übrigens: Etwas, worüber noch zu wenig gesprochen wird in diesen Feminismus ist so en Vogue-Tagen: Feminismus und Fast Fashion schließen sich gegenseitig einfach komplett aus, denn der billige Preis wird auf dem Rücken der ausgebeuteten Frauen (und Kinder!) ausgetragen.

Für Slow Fashion steht dagegen euer Prinzip, Kleider zu leihen und mit anderen zu teilen – mit Bedacht konsumieren eben.
Deshalb ist “Sharing is caring” auch unser Mantra: Wir glauben daran, dass Teilen nicht nur glücklich, sondern auch tatsächlich die Welt besser macht. Wir haben Jahrzehnte der Überproduktion hinter uns und vermüllen unsere Umwelt mit all den Produkten, die das, was wir wirklich brauchen, bei weitem überschreiten – da ist es nur logisch und vor allem das einzig wirklich nachhaltige, die bereits existierenden Dinge zu nutzen und zu teilen. Die Bewegung wird größer, je einfacher der Zugang zu Share Economy Modellen wird, und lässt sich definitiv nicht mehr aufhalten.

Habt ihr aktuelle Lieblingsteile oder Alltime-Favorites in der Kleiderei? Und gibt es Einzelstücke, die ihr am liebsten gar nicht teilen möchtet?
Unser Alltime Favorite ist ein dunkelblaues Hugo Boss Kleid, das von Anfang an im Fundus und ein Nie-Getragen-Teil von Polas Patentante ist (geht immer immer immer), und aktuelles Lieblingsteil ist der Jux Mantel von Studio Jux – ganz neu mit dabei auf kleiderei.com. Thekla würde niemals meine Pedal Pusher von Closed hergeben und ich könnte niemals auf mein schwarzes schulterfreies Vintage-Samtkleid verzichten, ein Geschenk von Mama… das verleih’ ich nicht mal an die engste Freundin!

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Und was passiert, wenn eine Kundin ein geliehenes Teil so gerne mag, dass sie es unbedingt behalten möchte?
Lieblingsteile können zum Teil auch abgekauft werden, dafür muss man uns nur eine eMail schreiben. (Die E-Mail lautet: hello@kleiderei.com)

Worauf legt ihr wert, wenn ihr neue Kleidung in den Bestand aufnehmt?
Bei Ex-Lieblingsstücken oder Fehlkäufen von Kundinnen achten wir lediglich auf den Zustand: Ist etwas in perfect shape, kommt es in den Fundus. Außer, klar, graue Shirts oder ähnliches, die kommen in die Spendenkiste, die können wir niemandem schicken. Bei Designer-Kooperationen achten wir auf Transparenz und Fairness, weniger auf Siegel: Die Designer produzieren selbst oder kennen wie im Falle von Jan’n’June ihre Produzenten persönlich und bezahlen sie fair. Absolute Lieblingsteile unserer Kundinnen sind die knallbunten Pullis von Oh Yeah Berlin, die wildgemusterten Teile von Lanius und Klassiker wie das Leinenhemd von Lies in Layers.

Lies in Layers ist ein Hamburger Label. Wie würdet ihr denn die junge Hamburger Modeszene beschreiben?
Auch der neue Hamburger Stil macht dem nordischen Klischee alle Ehre – die Mode ist lässig, clean, zurückhaltend und hat gerne Besonderheiten im Schnitt, die man erst beim zweiten Hinsehen sieht. Die Szene hier ist dafür umso quirliger, klein und konzentriert, es gibt viele Kooperationen und genreübergreifende Zusammenarbeiten mit Künstlern oder Literaten. Das ist in einer zwar stilistisch vielleicht aufregenderen, aber tendenziell eher Einzelkämpfer-geprägten Berliner Szene zum Beispiel deutlich schwieriger.

Wie geht’s weiter mit der Kleiderei?
Die nächsten Schritte sind der Ausbau unserer Website und deutschlandweite Offline-Flohmärkte, weil wir so viel tolle Teile mit kleinen Fehlern angesammelt haben.
Die große Vision ist, dass Kleider leihen selbstverständlich wird und langfristig zu einem Umdenken im Konsumverhalten führt.

Danke, Pola!

Die beiden Mädels von der Kleiderei waren übrigens mit der Toyota C-HR Roadshow in Hamburg unterwegs und haben mit uns zusammen ein paar schöne Fleckchen entdeckt. Thekla will jetzt sogar ihren Führerschein machen! #yougogirl

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