Salat mal vertikal

Ein Thema, das früher eine Notwendigkeit war, dann oft belächelt wurde und heute neue Beachtung findet: Selbstversorgung. Einsteiger züchten ihre eigenen Kräuter und erfreuen sich an frischer Petersilie statt getrockneter Supermarktware im Salat. Fortgeschrittene ernten Äpfel vom eigenen Apfelbaum, bauen Kartoffeln oder Karotten an oder versuchen sich sogar an einer Avocado-Pflanze.

Immer mehr Konzepte dafür, wie Selbstversorgung auch in der Stadt funktioniert, schießen aus dem Boden, vom kleinen Gewächshaus von IKEA, das selbst in der Studentenküche Platz findet, bis hin zu Urban Gardening Projekten in Großstädten. Diesem Trend folgt auch ein neues Restaurant in Berlin: GOOD BANK. Hier bekommt man den selbst angebauten Salat nicht nur auf den Teller, sondern kann ihm sogar beim Wachsen vom Tisch aus zuschauen.

Der typische Lunch-Andrang (c) GOOD BANK

Seit Ende März dieses Jahres versorgen Ema Paulin und Leandro Vergani hungrige Berliner mit Salatvariationen (zum Teil) Marke Eigenanbau, hausgemachten Suppen und leckeren Sandwiches. Alle Zutaten können auch in selbstkreierten Bowls gemischt werden. Ema kommt ursprünglich aus der Elektromobilität und hat sich viel mit regenerativer Energie beschäftigt. Ihr Partner Leandro hat traditionelle Landwirtschaft gelernt. Mit GOOD BANK möchten die beiden jetzt langfristig ihre Lebensmittel autark produzieren und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Achtsamkeit vermitteln.

Lecker, gesund, nachhaltig – die Bowls (c) GOOD BANK

Zwei Salatsorten und Babygrünkohl werden derzeit mit Hilfe von Vertical Farming im Laden angebaut: Meterhohe Glaskästen säumen die Wände des Restaurants, in denen das Gemüse wächst. Pinkes Licht scheint über den Miniatur-Salatfeldern – das Interieur von GOOD BANK wirkt dadurch fast futuristisch. Die Farm-Module, die GOOD BANK verwendet, stammen vom Berliner Startup Infarm. Der Anbau in diesen Modulen soll energie- und wassersparender als der traditionelle auf dem Feld sein. Lange Transportwege werden vermieden, der Gemüseanbau soll dezentralisiert werden. Außerdem werden für die selbst angebauten Sorten keinerlei Pestizide und kein gentechnisch verändertes Saatgut verwendet. Zu den beiden Salatsorten und dem Babygrünkohl sollen bald noch andere Sorten hinzukommen.

Der Salat wirkt fast futuristisch – aber lecker (c) GOOD BANK

So gut das Konzept und der Grundgedanke von GOOD BANK sind, gibt es jedoch Kritikpunkte. Auf der Speisekarte stehen beispielsweise auch Fleisch und Gemüse, das nicht selbst angebaut wird. So wird nur ein Teil der langen Transportwege eingespart. Und der Salat, der bei GOOD BANK angebaut wird, reicht bei weitem nicht aus, um die Gäste konstant damit zu versorgen. Der Andrang ist groß, damit haben die Inhaber von GOOD BANK nicht gerechnet. Daran, dieses Problem zu lösen, arbeiten sie jetzt. “Wenn unsere Gäste uns weiterhin so fleißig besuchen, möchten wir Ende des Jahres ein zweites GOOD BANK in Berlin eröffnen und vor allem noch spannendere Zutaten selbst anbauen, um das Erlebnis bei uns noch einzigartiger zu gestalten”, sagt Ema.

Und GOOD BANK ist ja nicht nur ein Restaurant. Sondern auch eine Möglichkeit, Menschen von der Selbstversorger-Idee zu begeistern. Einen Abstecher in die Rosa-Luxemburg-Straße 5 lohnt sich also.

Geöffnet ist das Restaurant jeden Tag von 11:30 – 22:00.

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