Nachhaltig mobil

Das Ende des Verbrennungsmotors” wird vielerorts diskutiert und war eines DER Themen der diesjährigen Automesse IAA in Frankfurt. Gleichzeitig gibt es deutschlandweit noch nicht genug Ladestationen für Elektroautos und ihre Reichweiten sind zu kurz. Nicht wirklich praxistauglich, denn damit kommen wir vorerst also auch nicht zur Arbeit und Kita, zum Sport und Einkaufen, zum Bier und wieder nach Hause.

Klingt ja nach trüben Aussichten fürs Auto. Wie sieht also die Mobilität der Zukunft aus? Das fragen wir Dirk Breuer, Pressesprecher von Toyota.

Dirk Breuer: Mobilität der Zukunft hat bei uns schon längst angefangen. Wir produzieren seit 2015, nach mehr als 20 Jahren Forschung und Entwicklung, den wasserstoffbetriebenen Toyota Mirai, der keinerlei CO2 und keine Schadstoffe ausstößt. Es ist schon lange absehbar, dass aufgrund von Luftreinhalteplänen bald keine Autos, die Stickoxide ausstoßen, in den Städten fahren dürfen. Wir gehen davon aus, dass in 20 oder 30 Jahren gar keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr bei uns unterwegs sein werden. Dafür aber eine Mischung aus kleinen “People Movern”, Elektroautos für kurze Strecken in der Stadt, für längere Wege Hybrid- und Plug-In Hybridfahrzeuge. Und für die ganz großen Entfernungen vermehrt Wasserstoff-Fahrzeuge.

Wenn Armin von der “Sendung mit der Maus” mir Brennstoff- und Hybridtechnologie erklären wollte, was würde er sagen?

In einer Brennstoffzelle reagiert Wasserstoff mit dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff. Dabei entsteht Strom. Wenn ich das Gaspedal betätige, gebe ich mehr Wasserstoff in die Brennstoffzelle und parallel dazu auch mehr Luft – so beschleunige ich stufenlos. Tanken dauert übrigens nur 3 bis 5 Minuten, wie bei Benziner oder Diesel, und ich kann etwa 500 Kilometer weit fahren.

Beim Hybrid ist es nun so, dass zwei Dinge, die für sich genommen schon nützlich sind und gut funktionieren, miteinander verbunden wurden: Der Elektromotor ist der Fahrmotor für das Auto, vorwärts und rückwärts fahren macht der alleine. Wenn ich schneller fahren will, kommt ein Verbrennungsmotor dazu. Ein Teil seiner Drehbewegung wird an die Räder übertragen und ein Teil zu Strom umgewandelt, der wiederum lädt die Batterie oder treibt den Elektromotor an. Stand Ende 2016 waren insgesamt 142.000 Hybridfahrzeuge von Toyota auf Deutschlands Straßen unterwegs, weltweit sind es sogar mehr als 11 Millionen.

Anm. d. Red.: Da kann man schon mal ausrasten vor Freude, so wie Dirk in diesem Video 😉

Was macht diese Technik umweltfreundlicher als Verbrennungs- und Elektromotoren?

Die einzige Emission, die Fahrzeuge mit Brennstoffzellen produzieren, ist destilliertes Wasser. Und auch bei Hybridfahrzeugen werden zum einen deutlich weniger CO2 und andere Schadstoffe ausgestoßen als bei reinen Verbrennungsmotoren. Zum anderen komme ich in einem Hybrid mit der gleichen Menge Treibstoff einfach weiter als in einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Das kann man sich so vorstellen: Wenn ich für 10 Euro Benzin oder Diesel tanke, fahre ich effektiv nur für 2 Euro, weil der Rest in Wärme umgewandelt wird und praktisch verpufft. Beim Hybrid schaltet sich, wenn ich langsam fahre oder an der Ampel anhalte, der Verbrennungsmotor immer mal wieder aus und ich bin rein elektrisch unterwegs. Für die Hybridfahrzeuge von Toyota verwenden wir Nickel-Hydrid-Akkumulatoren statt Lithium-Ionen-Akkus, die eine sehr lange Lebensdauer haben und zudem ziemlich preiswert sind.

Aber verbraucht Toyota für die Produktion nicht ähnlich viel Energie und andere Ressourcen wie für herkömmliche Autos?

Wir haben uns Gedanken gemacht, wo in Sachen Umweltschutz bei uns Verbesserungsbedarf besteht und uns Klimaschutzziele gesetzt, die seit 2015 in der Toyota Environmental Challenge, dem sechsten Umweltplan in Folge, festgehalten wurden. Hier ein paar Beispiele: Im Materialbeschaffungs- und Herstellungsprozess sowie auch im Lebenszyklus eines Autos wollen wir den CO2 Ausstoß bis 2050 auf Null bringen. Toyota-Werke sollen mit grünem Strom betrieben werden, wir möchten unseren Wasserverbrauch reduzieren und die Qualität des Wassers erhöhen, das unsere Werke verlässt. Beim Toyota Prius haben wir außerdem schon jetzt eine Reyclingrate von 95 Prozent – das heißt, wenn ein Prius recycelt wird, habe ich praktisch schon wieder 95 Prozent des Materials für ein neues Auto.

Insgesamt arbeiten wir also sehr intensiv daran, die Belastung für Umwelt und Klima unserer Produktion so gering wie möglich zu halten.

Schon seit 1995 begleitest Du die Entwicklung von umweltfreundlichen Fahrzeugen. Was hat sich da in den letzten 20 Jahren verändert, auch im Mindset der Menschen?

Als wir 1995 das erste Hybridmodell auf einer Messe gezeigt haben, wurde zum Teil ungläubig gelacht. Damals herrschte eher so eine “Alles egal-Mentalität”: Es wurden Autos gebaut, die 1000PS hatten oder 18 Zylinder, und jeder wollte zeigen, was er kann. Da kam dann Toyota und hat ein Auto präsentiert, das nicht nur einen Verbrennungsmotor hatte, sondern auch einen Elektroantrieb – und dessen Design eher speziell war.

Manchen ist es einfach immer noch egal oder sie legen mehr Wert auf Prunk und Gloria, darauf, dass sie sich bemerkbar machen mit ihrem Haus, ihrem Handy und ihrem Auto. Und es ist ja auch nicht so leicht, einfach zu sagen: “Ich will jetzt unbedingt sauber und anständig leben”, weil dann kommt der Tag, an dem das gegrillte Hähnchen vor dem Supermarkt für 2,50 Euro doch wieder so lecker riecht, dass ich nicht widerstehen kann. In den letzten Jahren habe ich aber auch wahrgenommen, dass sich dieser Trend umgekehrt hat und plötzlich Firmen Begehrlichkeiten wecken, die nachhaltig wirtschaften und was für die Umwelt tun: Von Bio-Supermärkten über Outdoor-Firmen bis hin zu Autoherstellern. Viele Menschen haben ein ganz anderes Bewusstsein für ihr Konsumverhalten.

Ich würde sagen, es gibt immer mehr Sympathisanten für Hybrid- und Brennstoffzellfahrzeuge. Mittlerweile sind diese Autos auch nicht mehr unbedingt teurer und man sieht ihnen nicht von weitem schon an, dass sie nicht Benziner oder Diesel sind. Auch das kommt dann im Autohaus gut an.

Welches Auto fährst Du selbst? Und warum dieses Modell?

Bis vor ein paar Tagen einen weißen RAV4 Hybrid, den man auch oben im Video sieht. Und jetzt einen dunkelroten RAV4 Hybrid. Das ist ein kompakter SUV mit Allradantrieb und einer Anhängelast von 1650 Kilogramm. Damit kann ich einiges transportieren, was so rund um Haus, Hof, Hühnerstall und Waldbesitz anfällt.

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