Ein Eimer soll’s richten

In den 1960er Jahren stieg der Plastikverbrauch, der Beginn einer Wegwerfgesellschaft: Textilien aus Kunstfasern, Portionsverpackungen, Haushaltsgeräte, Kosmetik. Eine Liste, die sich bis heute schier unendlich erweitern lässt. Und bis heute landen weltweit zu viele Kunststoffe letztlich in unserer Umwelt, verschmutzen Flüsse und Ozeane.

Auch schon mal erlebt? Da liegt man behäbig am Strand, die Palmen rauschen und die Sonne brutzelt. Erhebt sich irgendwann, um sich im Wasser abzukühlen. Anlauf, Sprung, Platsch. Und neben dem Kopf ploppt eine Coladose aus dem Wasser. Eine Plastiktüte schwappt hin und wieder an den Strand. Das tauchende Ding in Flamingorosa? Ein Flip Flop.

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Die beiden Australier Pete Ceglinski und Andrew Turton wollten nicht mehr mit ansehen, wie die Meere im Dreck ertrinken. Denn beide leben am, mit und vom Ozean. Ihre Haare sind von Sonne, Wind und Wasser gebleicht, sie tauchen, surfen, fahren zur See – begegnen in ihrem Alltag also ständig den Auswirkungen unseres modernen Lebensstils. Das brachte sie auf eine innovative Idee: den Seabin. „In einem anderen Leben entwickelte ich Produkte aus Plastik”, erzählt Pete von seinem früheren Job als Produktdesigner. “Nach einer Weile wurde mir klar, dass niemand den Kram braucht, den ich machte. Also habe ich aufgehört“, sagt er.

Stattdessen erdachte Pete zusammen mit Andrew einen Eimer, der täglich automatisch bis zu 1,5 Kilogramm Plastik, Öl und anderen Unrat aus Gewässern schöpft. Das macht über eine halbe Tonne Müll pro Jahr! Beim C-HR Festival 2016 im Kaufhaus Jandorf hat Pete uns den Seabin erstmals präsentiert. Seinen Vortrag könnt ihr euch hier nochmal anschauen.

Für euch, die das Seabin Project seitdem ebenso wie wir gespannt verfolgt haben, hat er eine kleine Videobotschaft aufgenommen:

Der Seabin funktioniert so: Er kann überall dort installiert werden, wo kein starker Seegang herrscht und er regelmäßig entleert und überwacht werden kann, zum Beispiel in Buchten, Hafenbecken oder Yachtclubs. Wind und Wasser schwemmen all das hinein, was nicht in die Umwelt gehört. Elektrisch angetrieben wird der Seabin von einer Pumpe, deren CO2-Bilanz von den Machern möglichst niedrig gehalten wird. Sie saugt Wasser und Müll an. Im “Catch Bag” landet der Unrat, das spezielle Material, aus dem er besteht, absorbiert Öl. Und dann wird sauberes Wasser zurückgepumpt.

Zwar kann der Seabin nur das Oberflächenwasser reinigen und den Müll nicht aus tieferen Wasserschichten fischen. Aber immerhin gelangt nichts von dem, was von der Oberfläche abgeschöpft wird, ins offene Meer. Weitere Details zur Funktionsweise des Seabins findet ihr auf der Webseite des Projekts unter “The Product”. Pete und Andrew planen, noch diesen Sommer mit dem kommerziellen Verkauf ihrer Erfindung zu starten. Erste Seabins der aktuellen Generation V5 werden unter anderem für Pilotprojekte in den USA, Frankreich, Spanien und Finnland installiert.

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Die Australier sehen aber nicht allein die weltweite Verbreitung ihrer Erfindung als Lösung des Plastikproblems. Bildung und Forschung, sagen Pete und Andrew, seien viel wichtiger, um es in Zukunft einzudämmen. Daher haben die beiden unter anderem ein Open Source Programm gestartet, das über die Verschmutzung der Meere aufklärt – und zum Beispiel von Schulen für den Unterricht genutzt werden kann. So kann der Seabin zwar nicht im Alleingang die Weltmeere reinigen, aber definitiv seinen Teil dazu beitragen.

Derzeit ist es noch nicht möglich, als Privatperson, Gemeinde oder Firma einen Seabin zu kaufen. Aber auch nicht ausgeschlossen, dass wir in Zukunft alle mit einem Eimer in saubere Meere investieren können. “Damit wir irgendwann in einer Welt leben, in der wir keine Seabins mehr brauchen”, wünschen sich die Erfinder.

Auf Facebook und Instagram erhaltet ihr regelmäßige Updates vom Seabin Project.

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